Early Prize for Noble Aspirations
Freitag, Oktober 9, 2009 at 10:32AM Das Nobelpreiskomitee hat heute verkündet, dass Barack Obama in diesem Jahr den Friedensnobelpreis für seine „außergewöhnlichen Anstrengungen um die Stärkung der internationalen Diplomatie und die Zusammenarbeit der Völker” erhalten wird. Gegenüber der New York Times berichtete Rahm Emanuel, der Stabschef Obamas, dass die Nachricht für das Weiße Haus ganz unerwartet kam. Man habe nichts davon geahnt.
Gideon Ranchman von der Financial Times hält die Preisverleihung derweilen für zu früh. Bisher kann man keinen Ort ausmachen, wo Obama Frieden gebracht hat – Gaza, Iran, Sri Lanka? Es sei in Ordnung Grundschulkindern einen Preis für ihre ‘Bemühungen’ zu geben, aber Staatsmänner sollten höheren Ansprüchen genügen. Auch im Economist wird die Verwunderung über den frühen Zeitpunkt der Vergabe deutlich. Es wäre denkbar, dass man den amerikanischen Präsidenten wegen der verlorenen Olympiabewerbung seiner Wahlheimat Chicago trösten möchte oder von seiner persönlichen Geschichte gerührt war. Besonders brisant ist es, wenn man daran denkt, dass die Frist für die Nominierung am 10. Februar – nur 10 Tage nach Obamas Amtsübernahme – ausgelaufen ist, so Slate. Insgesamt sind eine Rekordanzahl von 205 Nominierungen eingegangen, wer Obama nominiert hat bleibt derweilen unklar, schreibt The Hill.
Die Kritiker werden auf jeden Fall einige Angriffspunkte haben. Die größte Sorge macht momentan Afghanistan, so der Economist. Obwohl Obama nun den Titel des Friedensstifters trägt, bleibt er ein Kriegspräsident. Er steht gerade vor der Entscheidung, weitere 40.000 Truppen nach Afghanistan zu entsenden, um den nun achtjährigen Kampf gegen die Taliban fortzusetzen. Da es momentan offensichtlich an den Mitteln zur Beendigung des Krieges fehlt, besteht die Möglichkeit, dass Obamas Präsidentschaft von einer Eskalation in Afghanistan überschattet werden wird. Der Sprecher der Taliban, Zabihullah Mujahid, äußerte sich gegenüber Reuters in einem telefonischen Statement, dass die Preisvergabe absurd sei: “Der Friedensnobelpreis? Obama sollte den ‘Nobelpreis für die Eskalation von Gewalt und das Töten von Zivilisten’ erhalten."
Interessant ist, dass Barack Obama der dritte zur Verleihung amtierende US-Präsident ist, der die Auszeichnung erhalten hat. Zuvor erhielten den Preis Theodore Roosevelt 1906 (für seine Friedensverhandlungen zwischen Russland und Japan 1905) und Woodrow Wilson 1919 (für seine Leistungen um den Völkerbund). Präsident Carter bekam ihn 21 Jahre nach seiner Amtszeit.


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