It's Math Not Momentum
Mittwoch, März 7, 2012 at 05:07PM
Im Zuge des gestrigen Super Tuesdays konnte Mitt Romney sechs der insgesamt zehn Vorwahlen gewinnen. Darunter auch der hart umkämpfte Staat Ohio, wo er allerdings nur mit einem hauchdünnen Vorsprung vor Rick Santorum siegen konnte. Damit verpasste Romney wieder eine Gelegenheit, trotz seiner finanziellen und organisatorischen Überlegenheit, seine Widersacher deutlich zu übertrumpfen. Denn eigentlich sollte der Super Tuesday mehr Gewissheit in das Rennen um die Republikanische Präsidentschaft bringen. Doch die Ergebnisse lassen die Kandidaten, die Partei und die Wähler weiter im Unklaren.
Laut der New York Times hatte vor allem Romney gehofft, mit einer Reihe von überzeugenden Siegen den Republikanischen Vorwahlkampf vorzeitig zu seinen Gunsten beenden zu können. Stattdessen hat er in Ohio, der wichtigsten Vorwahl an diesem Tag, gerade einmal mit einem äußerst knappen Vorsprung (37,9 zu 37,1 Prozent beziehungsweise 10.284 Stimmen Unterschied) vor Santorum gewonnen. Kein Republikanischer Kandidat habe es zuvor geschafft, Präsident zu werden, ohne dort zu siegen, erinnert die Los Angeles Times. Zusätzlich war er in Alaska, Idaho, Massachusetts, Vermont und Virginia erfolgreich. Santorum erhielt in North Dakota, Oklahoma und Tennesse die meisten Stimmen. Einen wenig überraschenden Sieg konnte Newt Gingrich in seinem Heimatstaat Georgia verbuchen. Insgesamt hat Romney jetzt 415 Delegiertenstimmen (Santorum 176, Gingrich 105 und Ron Paul 47). Zur Nominierung braucht der Kandidat eine Mehrheit von 1.144.
Für die Washington Post passt der Super Tuesday damit in die Reihe der bisherigen Vorwahlen. Weiterhin steuert Romney im Schneckentempo auf die Nominierung zu. Während Romneys Mitstreiter daran festhalten, das Blatt noch wenden zu können, sagt die Mathematik etwas anderes, schreibt die Washington Post. „Bezogen auf die Delegierten ist es unwahrscheinlich, dass Santorum oder Gingrich die benötigten 1.144 Stimmen ansammeln,“ zitiert sie den Politikwissenschaftler Josh Putnam. Das sieht The Hill ähnlich: Weder Santorum noch Gingrich können die Nominierung im Vorfeld des Republikanischen Parteitages gewinnen. Sie müssen auf eine anderes Szenario abzielen: Keiner der Kandidaten kann die erforderlichen 1.144 Stimmen anhäufen. Dann muss auf dem Parteitag die Nominierung ausgehandelt werden.
Nach Ansicht der USA Today hat Romney mit seinem Abschneiden allerdings den Diskussionen um eine Aushandlung der Nominierung oder einen Quereinsteiger vorerst einen Dämpfer verpasst. Dennoch wird sich das Rennen nicht sonderlich verändern. Weiterhin könne sich der Republikanische Wettbewerb mit einem „Frontrunner“ Romney, der immer noch mit Schwächen bei der sozial-konservativen Wählergruppe zu kämpfen hat, in alle Richtungen entwickeln. Auch die New York Times meint, dass Romney gestern nur wenig dazu beigetragen habe, die Bedenken bezüglich seiner fehlenden Nähe zu konservativen Gruppen zu zerstreuen.
Aber auch bei der wichtigen Gruppe der unabhängigen Wähler könnte Romneys wackliger Weg zur Nominierung ihn noch teuer zu stehen kommen, so die Washington Post. Dort hat er seit Beginn des Vorwahlkampfes an Unterstützung eingebüßt. Des Weiteren fehlt ihm immer noch der richtige Draht zu den hispanischen Wählern. Zudem muss Romney seinen Stand bei der Arbeiterklasse verbessern, um hart umkämpfte Staaten des Mittleren Westens gewinnen zu können. Romneys zäher Kampf gegen Santorum hat allerdings weitere Zweifel über seine Fähigkeit gesät, diese Wählergruppe von sich überzeugen zu können, warnt die Los Angeles Times.
Ebenso weist die Associated Press auf die Auswirkungen der Republikanischen Schlammschlacht auf die unabhängigen Wähler hin. Laut einer Umfrage vom Wall Street Journal/NBC News greifen etwa 60 Prozent dieser Gruppe auf negative Attribute zurück, wenn sie aufgefordert werden, die Republikanische Vorwahl zu beschreiben. Laut der Washington Post-Kolumnistin Ruth Marcus schadet der Vorwahlkampf dabei vor allem Romney. Hartnäckig halte sich der Eindruck, eines „faden Kandidaten in einem langweiligen Vorwahlkampf.“ Die Washington Post berichtet in einem anderen Artikel, dass die Republikanischen Wähler vom bisherigen Wahlkampf einfach frustiert sind: gerade vier von zehn Wählern in Ohio standen voll und ganz hinter ihrem Kandidaten. Währenddessen steigt bei optimistischerer Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung Präsident Obamas Zustimmung bei den Wählern.
Obwohl mehrere Politexperten Romneys Chancen gegen Obama momentan eher schlecht einschätzen, schreibt Kathleen Parker von der Washington Post ihn noch nicht ab. Sie rät ihm, ganz er selbst zu sein – „uncool, furchtlos, intelligent, erfahren, zielstrebig und (wie er sich selbst gerne darstellt) resolut.“ Ganz nach dem Motto „True Mitt can win!“
So geht der Kampf weiter. In der nächsten Woche wird in Alabama, Mississippi und Kansas, drei der konservativsten Staaten der USA, gewählt. Beobachter rechnen Santorum daher gute Chancen aus, den Rest des Monats mit Erfolgen punkten zu können. Der nächste mit Ohio vergleichbare Schauplatz wird die Vorwahl in Illinois am 20. März sein. In Gingrichs Lager werden derweil die Erwartungen immer weiter herunter geschraubt, berichtet die Washington Post. Hoffnungsvoll richtet er seinen Blick bereits auf den Juni (!). Dann werde er wieder „an Fahrt“ aufnehmen, wenn in Texas und Kalifornien an die Wahlurne gerufen wird.
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