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Dienstag
Apr102012

Ideological Purity

Im Verlauf der Republikanischen Vorwahlen ist ein überraschendes Wählerverhalten zu beobachten, berichtet die New York Times. Mitt Romney, ein Mormone, findet bei den katholischen Wählern mehr Zustimmung als Rick Santorum, der Katholik ist. Santorum lag nach Angaben des Edison Research Institutes in zehn von zwölf Vorwahlstaaten bei den katholischen Befragten zurück. Romneys Vorsprung bei dieser Wählergruppe schwankte zwischen sieben (Michigan) und 53 Prozent (Massachusetts). Santorum habe sogar bei den Katholiken im Süden verloren und das obwohl er in Tennesse mit Romney fast gleichauf lag. Entscheidend konnte er nur in Louisiana siegen.

Michael Gerson, früher Redenschreiber bei George W. Bush, schreibt in der Washington Post, dass der Anteil evangelikaler Politiker auf ein historisches Tief seit 1980 gesunken ist. Laut dem Pew Research Center sind zudem 38 Prozent der Amerikaner überzeugt, dass Religiosität eine zu große Rolle in der Politik spielt. Für die Amerikaner mag die Rückkehr der religiösen Konservativen problematisch sein, dennoch spiele der Glaube eine große Bedeutung für die amerikanische Politik, so Gerson. Amerikaner lehnen Diskriminierung aus Glaubensgründen ebenso wie Säkularismus ab. Die amerikanische Alternative sei daher ein „religiöser Pluralismus,“ der von Toleranz getragen werde.

Romney hat bewiesen, dass er schwer zu schlagen ist, wo es mehr moderate und weniger evangelikale Wähler gibt, schreibt die Washington Times. In Staaten wie Iowa und Mississippi, wo Evangelikale mehr als die Hälfte der Wähler ausmachen, lag er allerdings hinter Santorum zurück. Eine Herausforderung bleibt Texas. Mit einem großen Anteil evangelikaler Wähler und der zweithöchsten Anzahl an Delegiertenstimmen hat sich dort noch keine große Begeisterung für Romney entwickelt. Besonders innerhalb der Partei sind die Evangelikalen in Texas sehr stark vertreten. Die Stimmen dort werden allerdings proportional vergeben. Eine Niederlage Romneys wäre also kein Totalausfall, resümiert die Washington Times. Laut Texas Tribune wurde in Texas allerdings eine Diskussion angestoßen von Santorums Unterstützern um eine Regeländerung begonnen, sodass der Gewinner alle Stimme erhalten könnte.

Laut E.J. Dionne Jr. von der Washington Post lehnen die Wähler, für die der Glaube von großer Bedeutung ist, Romney ab. Es sei offen, ob sich dies beim späteren Rennen gegen Obama nachteilig für ihn auswirken kann. Richard Land, Präsident der Southern Baptist Ethics and Religious Liberty Commission, schätzt, dass ein geeigneter Vize-Präsidentenkandidat wie Santorum Romney helfen könnte. Sein Dilemma sei es, dass seine Bemühungen um die Konservativen seinem Interesse der politischen Mitte gegenüber stehen, so die Washington Post.

Derweil hat Newt Gingrich Fragen zu Obamas Religiosität und dessen „Attacken“ auf die katholische Kirche aufgeworfen, ebenso wie Santorum. Beide haben in den letzten Wochen die Debatte wieder angefacht, schreibt der Politico. So hat Gingrich Obama unterstellt, mit seinem Handeln die Wähler an seinem Glauben zweifeln zu lassen. In Santorums Video Obamaville wird Obama mit dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad in Verbindung gebracht. Nach Berichten des Politico beteiligt sich Spitzenreiter Romney an dieser Diskussion nicht.

Nach Meinung von Charles Lane von der Washington Post sollten die Republikanischen Kandidaten, die Obama vor allem mit dem Argument der „ideologischen Alternative“ schlagen wollen, aus der Erfahrung von 2003 lernen. Damals hatten die Schwulenrechte einen bedeutenden Sieg vor dem Supreme Court eingefahren. In höchster Instanz waren dort gegen die Einwände von Republikanern aus Texas die Rechte von Schwulen gestärkt worden. Gerade denjenigen in der Republikanischen Partei, die einen Weg der „religiösen Reinheit“ einschlagen wollen, „erteile dieser Fall eine Lektion,“ so Lane in der Washington Post.

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