What Women Want
Donnerstag, April 19, 2012 at 11:50AM
Mitt Romney hat seine ersten Wochen als „de facto-Kandidat“ genutzt, um neben den Lateinamerikanern (siehe ¿Hablas Español?) auch vermehrt die weibliche Wählerschaft anzusprechen. So kündigte er an, dass sich sein Kampf um deren Stimmen in Zukunft vor allem darauf konzentrieren wird, „die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen,“ zitiert ihn der Politico. Diese Bemühungen um die weiblichen Stimmen sind auch dringend notwendig. Umfragen zeigen, dass Präsident Barack Obama bei dieser Gruppe mit einem Vorsprung von 20 Prozent einen deutlich besseren Stand hat. Angesichts dessen seien die diversen Fehltritte von Romneys Kampagne im Hinblick auf Frauenthemen wenig hilfreich gewesen, so Bloomberg News.
Die USA Today berichtet, dass Romney versucht, jetzt „den Spieß umzudrehen.“ Er wettert – nachdem zunächst die Demokraten die Republikaner beschuldigten, gegen Frauen vorzugehen (siehe Passend zum Frauentag und Women Not Welcome) – gegen die Obama-Regierung: „Obama hat einen Krieg gegen Frauen gestartet,“ wird er von der USA Today zitiert. 92,3 Prozent der Jobs, die seit dessen Amtsübernahme verloren gegangen seien, waren von Frauen besetzt, so Romney nach Berichten von ABC World News. Laut dem Politico sei diese Zahl allerdings wenig glaubhaft. Auch die Webseite PolitiFact ordnet sie als „mostly false“ ein. Als es seine Vorwürfe untermauern sollte, machte Romneys Lager dann eine äußerst schlechte Figur: Während einer Pressekonferenz letzte Woche konnten Romneys Berater keine Antwort auf die Frage geben, in welcher Weise denn die Obama-Administration Frauen schlechter behandelt haben soll. Kein Wunder, so die Associated Press, vielmehr seien es die Männer, die unter der Rezession gelitten hätten.
Ro
mneys Versuche, bei den Frauen auf Stimmenfang zu gehen, bringen ein grundlegendes Problem seines Wahlkampfes zum Vorschein, resümiert die New York Times. Es bestehe die Gefahr, konservative Wähler zu vergraulen. Umfragen belegen, dass weibliche Wähler während des Vorwahlkampfes bei Themen wie Planned Parenthood, Immigration und Verhütungsmittel größtenteils verärgert wurden. Ein abrupter Positionswechsel bei diesen Themen könnte nun Romneys Stellung bei den Sozialkonservativen schwächen, schreibt die New York Times. Das sieht die Washington Post ähnlich. Nach deren Ansicht hat der überraschend starke konservative Rivale Rick Santorum Romney in diese Zwickmühle gebracht.
Laut der Washington Times ist Romneys Annäherung an die Frauen durch die Nachfrage zu seiner Position bezüglich des Lilly Ledbetter Fair Pay Act schnell ins Stolpern geraten. Denn darauf konnte zunächst keine klare Antwort gegeben werden. (Der Lilly Ledbetter Fair Pay Act ist ein zentrales Gesetz zur nachträglichen Gehaltsgleichstellung, welches 2009 verabschiedet wurde.) McClatchy berichtet, dass Romneys Pressesprecher später versicherte, dass nichts an dem Gesetz geändert werden würde. Nach Ansicht der Demokraten haben sich die Republikaner mit ihrer schlechten Argumentation selbst entlarvt. Obamas Lager veröffentlichte dazu eine Stellungnahme von Lilly Ledbetter: „Wenn Romney wirklich um die Frauen in unserer Wirtschaft besorgt wäre, müsste er sich nicht erst noch Zeit zum Überlegen nehmen, ob er das Gesetz unterstützt“, wird Ledbetter von The Hill zitiert.
Um die Sorgen und Nöten der Frauen besser verstehen zu können, erklärte Romney zuletzt seine Frau Ann zu seiner Beraterin. Diese wurde sofort unter Beschuss genommen, so ABC News. Die Demokratische Politstrategin Hilary Rosen twitterte, dass diese gar nicht qualifiziert sei, um über Politik zu sprechen. Denn sie habe in ihrem „noch keinen einzigen Job gehabt.“ Laut dem Politico erhielt Ann Romney später allerdings Rückendeckung aus Obamas Lager. Wahlkampfmanager Jim Messina und Berater David Axelrod distanzierten sich via Twitter von Rosens Aussagen. Diese zeigte sich zunächst uneinsichtig und twitterte weiter, dass die meisten jungen Amerikanerinnen sowohl arbeiten als auch Kinder erziehen müssten. Am Tag darauf ruderte Rosen hingegen zurück und entschuldigte sich.


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