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Entries in deutsch-amerikanische beziehungen (2)

Mittwoch
Nov042009

Standing Ovations für Merkel

In ihrer Rede vor dem Kongress betonte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Notwendigkeit einer starken transatlantischen Partnerschaft, so The Hill. Merkel zitierte die nuklearen Ambitionen Irans, den Krieg in Afghanistan, den Klimawandel und stärkere staatliche Kontrolle der Finanzmärkte als Bereiche, in denen die USA und Europa zusammenarbeiten müssen. "Europa hat keinen besseren Partner als Amerika und Amerika wird keinen besseren Partner finden als Europa", sagte Merkel. In ihrer Rede würdigte die Kanzlerin die amerikanische Unterstützung für Deutschland. “Nicht in ihren kühnsten Träumen” hätte sie erwartet, als Tochter eines Pastors und einer Mutter, die im ostdeutschen Staat von ihrer Tätigkeit als Lehrerin ausgeschlossen wurde, einmal vor dem US-Kongress sprechen zu dürfen, so die Kanzlerin. “Wir Deutschen wissen, wie viel wir Ihnen, unseren amerikanischen Freunden zu verdanken haben. Und wir werden das nie - ich persönlich werde das nie – vergessen”, so Merkel.

Auch die New York Times lobt Merkels offene und direkte Art mit der sie die Probleme ansprach. Null Toleranz müsse gezeigt werden, wenn die Gefahr besteht, dass Massenvernichtungswaffen in die Hände des Iran fallen und die Sicherheit bedrohen. Dies sei unakzeptabel. "Die Sicherheit des Staates Israel ist für mich nicht verhandelbar", sagte die deutsche Bundeskanzlerin unter großem Beifall der Kongressmitglieder.

Derweilen geht der McClatchy auch auf das deutsche Engagement in Afghanistan ein. Merkel selbst erinnerte in ihrer Rede daran, dass Deutschland das drittgrößte Truppenkontingent stellt. "Die Mission in Afghanistan ist ohne Zweifel eine Herausforderung für uns alle” sagte sie. Sie plädiert dafür, im Rahmen einer gemeinsamen UN-Konferenz zu Beginn des nächsten Jahres eine Strategie zu entwickeln, wie die Verantwortung in die Hände der Afghanen übergeben werden kann.

Die Washington Post weist darauf hin, dass Merkels Plädoyer für Maßnahmen zum Klimawandel und ihr Hinweis auf die globale Klima-Konferenz im nächsten Monat in Kopenhagen deutlich weniger Anklang fanden. "Wir alle wissen, wir haben keine Zeit zu verlieren", sagte die Kanzlerin und fügte hinzu, dass die Eindämmung der Treibhausgasemissionen auch Wachstum und "innovative" Arbeitsplätze weltweit bedeuten würde. Sie lobte Präsident Obama für die Unterstützung und plädierte dafür, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Während einige Demokraten diesen Teil der Rede mit Standing Ovations bedachten, blieben viele Republikaner sitzen.

Der Auftritt der Kanzlerin beschäftigte auch die Kommentatoren. Professor Kupchan von der Georgetown University sagte der New York Times: “Obama und Merkel sind sich recht ähnlich. Beide sind Pragmatiker, weniger Ideologen. Beide neigen dazu, in der Mitte zu regieren. Und beide fragen, was ist das Problem und wie können wir es beheben.” Anne Applebaum bewunderte bereits gestern in der Washington Post Merkels “ruhigen Griff nach der Macht in Europas”, der so “unaufgeregt” daher kommt, dass ihn keiner bemerkt, sondern eifrig beklatscht wird. Sie sei, wenn man so will, der Anti-Obama: kein Glamour, beige Hosenanzüge und ein Ehemann, der selten in der Öffentlichkeit erscheint. Ihre Weiblichkeit sei der Schlüssel ihres Erfolges, meint Applebaum. Unter ihrer Führung wäre Deutschland einflussreicher geworden als je zuvor. Sie schlussfolgert daher, dass Merkel wahrscheinlich die einzige Politikerin ist, die die Europäer in der Energie- und Russlandpolitik zu vereinen mag.

Dienstag
Nov032009

Merkel vor versammeltem Kongress

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich heute mit US-Präsident Obama. Im Zentrum der Gespräche standen Afghanistan und Irak, berichtet BBC News. Obama sagte mit Blick auf den Besuch der deutschen Kanzlerin: "Wir schätzen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan". Er lobte Merkel als "außergewöhnlich führend in der Frage des Klimawandels.” In der Debatte um weitere US-Truppen in Afghanistan will der US-Präsident allerdings auch Deutschland und andere NATO-Verbündete in die Pflicht nehmen, um die Sicherheit der vom Krieg zerstörten Region zu erhöhen, so USA Today.

Gerade von der schwarz-gelben Koalition erwartet Washington mehr Entgegenkommen in Sachen Afghanistan und dem iranischen Atomprogramm, schreibt die Associated Press. Dabei ist Afghanistan ein heikles Thema für Angela Merkel. Denn der Krieg ist in Deutschland und anderen Laendern Europas unpopulaer. Der deutschen Bundeskanzlerin wurde heute die seltene Ehre zuteil vor beiden Kammern zu sprechen. Merkel trat damit in die Fussstapfen Konrad Adenauers, der als einziger Kanzler vor ihr 1957 vor dem Kongress sprechen durfte. In Sachen Klimaschutz wollte Merkel fuer ein globales Abkommen werben, sah sich aber vor einem “skeptischen Publikum” im US-Kongress.

Derweilen stellt Ben Frumin vom TalkingPoints Memo fest, dass ausgerechnet der Republikaner  Joe Wilson, der bereits im Vorfeld des Besuchs lobende Worte für die Kanzlerin fand, zum offiziellen Begrüssungsteam gehört. “Merkel ist im Kommunismus aufgewachsen und ist nun Kanzlerin eines vereinten Deutschland. Ich bin sicher, sie wird auch weiterhin führen und zu mehr Wohlstand mit konservativen Grundsätzen inspirieren”, so Wilson in einer Erklärung. Der Republikaner war vor kurzem in die Schlagzeilen geraten, als er Präsident Obama während einer Rede vor dem Kongress im September als “Lügner” beschimpfte.