Bereits seit geraumer Zeiten kusierten Gerϋchte das Floridas Republikanischer Gouverneur Charlie Crist in Erwägung zieht als parteiloser fϋr den Semat zu kandidieren, so die Washington Post. Der ehemalige Liebling und als Präsidentschaftskandidat gehandelte Republikaner war zunächst als Favorit in das Rennen um die Kandidatur des Republikanischen Senatsanwärters gegangen, so Reuters. In den letzten Monaten musste er allerdings dabei zusehen, wie sein Vorsprung bei den Umfrageergebnissen sank. Dabei gab es eine Reihe von unangenehmen Vorfällen in den letzten Jahren. Kurz vor den Wahlen 2006 hatte er kurzfristig den ehemaligen Präsidenten George W. Bush, bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt, versetzt. Dieser Bush soll jedoch nicht der einzige gewesen sein, den Crist vor den Kopf gestoßern hat. So sei einer seiner ersten Amtsakte gewesen, fast 300 Ernennungen seines Vorgängers Jeb Bush, rϋckgängig zu machen. Außerdem halten ihm die Konservativen vor, dass er das „stimulus package“ von Obama akzeptiert hat. Das Verhältnis der beiden stößt in Florida generell auf Ablehnung: Die herzliche Umarmung zwischen Obama und Crist weiß gerade Marco Rubio, medienwirksam gegen ihn auszuspielen: „Als Präsident Bush nach Florida kam, war von Crist nichts zu sehen, aber wenn Obama kommt, taucht er plötzlich auf“. Nachdem seine Chancen, seinen Republikanischen Widersacher Rubio in den Vorwahlen zu besiegen, auf Null gesunken waren, kϋndigte er schließlich gestern seine parteilose Kandidatur offiziell an.

Roll Call titelte diese Woche bereits, dass Crist mit einer parteilosen Kandidatur allerdings Probleme haben wird, die für Werbekampagnen notwendigen, finanziellen Mittel aufzubringen. Wie in der Politik üblich, würde der finanzielle Aspekt bei Crists Vorhaben am meisten Aufmerksamkeit verlangen, besonders weil Crist nicht nur Werbekampagnen für sein eigenes Image, sondern auch Kampagnen zur Wählersegmentierung, d.h. Zielgruppenfindung, und zur Wählermobilisierung, schalten und finanzieren muss. Derartige Werbekampagnen können bis zu $1 Million pro Woche kosten. Auch wenn Crist momentan um die $7,6 Millionen in der „Kriegskasse“ hat, so läuft er Gefahr, dass seine ehemaligen Spender von ihm erwarten, ihre Checks zurϋckerstattet zu bekommen. (Eine ähnliche „Rϋckerstattung“ kostete Senator Arlen Specter knapp $1 Million.) Roll Call schließt daraus, dass Fundraising zu Crists erster Priorität werden wird.
Doch auch um den generellen Zuspruch muss Crist bangen. Auch wenn Parteikollege und Abgeordneter Bill Young sagt, dass eine unabhängige Kandidatur jetzt Crists einzige Chance sei, meint Rep. Tom Rooney, dass es ein großer Fehler sei, seine Partei so schnell aufzugeben. Eine Wahlniederlage gegen Marco Rubio wäre wenigstens auf Verständnis gestoßen. Beide Republikanischen Abgeordneten unterstϋtzen Marco Rubio, schreibt Roll Call.
Auch der ehemalige Gouverneur von Massachusetts und Gegner bei einer potentiellen Präsidentschaftskandidatur, Mitt Romney, hätte ihn dazu aufgefordert entweder als Kandidat der Republikaner anzutreten (und ehrenhaft zu verlieren) oder den Platz für Rubio, frei zu machen, berichtet die Washington Post. Romney dϋrfte die Entscheidung Crists jedoch aus der Perspektive des Präsidentschaftswahlkampfs begrϋßen. Crist wird nicht mehr als Republikanischer Anwärter gehandelt werden können.
Stuart Rothenberg merkt gestern im Roll Call an, dass obwohl der Demokrat Kendrick Meek nun nur noch 35% der Stimmen holen muss (um ein ernstzunehmender Rivale zu sein), er jedoch auch berfϋrchten muss, dass Crist als Parteiloser ihm die Stimmen der gemäßigten Demokraten abgraben wird. Er vergleicht Crists Kandidatur mit der Joe Liebermans, der 2006 als Parteiloser „der“ Kandidat der Republikanischen und parteilosen Wähler wurde. Die New York Times schrieb gestern, dass Crist als „Dritte-Partei-Kandidat“, die Spielkarten neu mischen wϋrde. Adam Hasner, „majority leader“ des Florida House sagte jedoch, das es keine Űberraschung sei, da Crist nie besonders loyal gegenϋber seiner Partei gewesen sei.
Es bleibt abzuwarten, auf wessen Unterstϋtzung Crist nun noch bauen kann. J.M. „Mac“ Stipanovich, ein ehemaliger Wahlkampfberater von Crist sagte, dass er den Gouverneur weiterhin als einen Freund unterstϋtzen werde, aber keine Rolle außer der, eines faszinierten Beobachters einnehmen wolle. Es werde mit Sicherheit der interessanteste Wahlkampf seiner Karriere werden, so die New York Times.