Pinocchio Obama?
Mittwoch, Juni 27, 2012 at 11:50AM
Der Fact Checker der Washington Post untersucht einen Werbespot der Obamakampagne. In diesem „attack ad“ wird Mitt Romney vorgeworfen, er sei eine „Heuschrecke“ und habe als Gouverneur von Massachusetts „öffentliche Stellen nach Indien ausgelagert“. Der Spot erhält von Fact Checker „Vier Pinocchios“, weil er „auf beinahe jeder Ebene irreführend, unfair und unwahr" sei. Außerdem würden „entlarvte Vorwürfe“ über Romneys Vergangenheit wiederholt.
Laut Fact Checker ist der Begriff „Corporate Raider“ (deutsch „Heuschrecke“, „Unternehmensplünderer“) im Bezug auf Romney stark überdehnt. Im Vergleich zu typischen „Unternehmensplünderern“ habe Romneys Firma Bain Capital meist mehrere Jahre lang in andere Unternehmen investiert. Dabei sei die Kooperation mit deren Management sehr eng, also nicht wie bei typischen „Heuschrecken“ feindlich gewesen. Als Quelle für den Begriff „Corporate Raider“ nenne Obamas Kampagne die internationale Nachrichtenagentur Reuters. Laut deren Bürochef in Boston sei der Begriff jedoch nur einmal und aus Versehen für Romney verwendet worden. Diese einzige Quelle für die Bezeichnung als „Heuschrecke“ kann also als sehr dünn bezeichnet werden.
Fact Checker schreibt, eine bessere Quelle zur Beurteilung von Romneys Verhalten als Investor sei der Wall Street Kenner Stephen Rattner. „Bain Capital ist weder jetzt noch zuvor eine Gordon Gekko ähnliche, feuerspuckende Heuschrecke[…]“, schrieb Rattner im Politico. Fact Checker setzt sich auch mit dem Vorwurf der Kampagne auseinander, Romney habe als Manager von Bain Capital Outsourcing betrieben. Von den drei Beispielen, auf die sich die Obamakampagne in ihren Quellen beziehe, hat aber laut Fact Checker nur eines unter der Leitung Romneys stattgefunden.
Auch der Vorwurf an Mitt Romney, als Gouverneur staatliche Stellen ausgelagert zu haben, sei übertrieben. Er beziehe sich auf Romneys Veto zu einem Gesetzentwurf, der dem Staat Massachussetts verbot, Verträge mit Firmen zu schließen, die Outsourcing betrieben. Sowohl liberale als auch konservative Zeitungen hätten Romney zu einem Veto gedrängt. Sie hätten befürchtet, das Gesetz werde den Staat Geld kosten. Die Demokratisch dominierte Legislative habe Romneys Veto darüber hinaus im Vergleich zu 117 anderen Vetos nicht aufgehoben, was auf eine sehr geringe Unterstützung für den Gesetzesentwurf schließen lasse.
Auf diese Umstände habe der Fact Checker bereits im Bezug auf frühere Werbespots hingewiesen und der Obamakampagne dafür „Drei Pinocchios“ verliehen. Trotzdem habe die Kampagne genau diesen kritischen Artikel als Hintergrundquelle genannt. Der Wahlkampf verschärft sich, der Umfragevorsprung ist hauchdünn und auch die Kampagne Obamas greift immer mehr in die Trickkiste.
kasusa |
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